„NABU verschweigt: Elstern fressen junge Singvögel“

Reaktion auf Leserbrief vom 09.06.2020 in der MZ

Singvogelsterben: die Elster war's... oder vielleicht doch nicht?
Singvogelsterben: die Elster war's... oder vielleicht doch nicht?

 

In einem Leserbrief an die Münstersche Zeitung hieß es u.a. :

 

"Der Nabu beklagt ständig den Rückgang der Singvögel, verschweigt aber einen wichtigen Grund: Elstern plündern die Nester, fressen Eier und viele Jungvögel... Solange der Nabu dieses Massaker an den Jungvögeln leugnet und die Raubvögel nicht stärker bejagt werden, wird die Zahl der Singvögel weiter sinken..."

 

Der Leserbrief erschien gleich lautend, aber mit anderer Überschrift auch in den WN. Peter Hlubek, 1. Vorsitzender des NABU Münster und Leiter der AG Vogelschutz, hat darauf geantwortet, bisher ist die Antwort aber nicht veröffentlicht worden. Deshalb an dieser Stelle der komplette Wortlaut:

 

"Zum Leserbrief vom 09.06.2020 in der MZ „NABU verschweigt: Elstern fressen junge Singvögel“

 

 

Zunächst einmal: der NABU verschweigt keine Fakten! Wenn von uns der Rückgang vieler nicht nur Singvogelarten bedauert wird, sind wir mit dem Schreiber des Leserbriefes einer Meinung.

 

 

Jedoch liegen die Gründe für das Artensterben nicht an Elstern und anderen „Raubvögeln“ (Elstern sind biologisch gesehen ebenfalls Singvögel), sondern die Gründe sind hauptsächlich in der Tätigkeit von Menschen zu suchen. Leider müssen wir immer wieder von unnötigen Fällaktionen erhaltenswerter Bäume, Heckenschnittaktionen außerhalb der dafür vorgesehenen Zeiten, unnötige Versiegelung von Feldwegen und last but not least von ökologischen Sünden der industrialisierten Landwirtschaft berichten.

 

 

Nun zum Vorwurf des Leserbriefschreibers. Jawohl Elstern und andere Rabenvögel dezimieren hauptsächlich in der Zeit ihres eigenen Nachwuchses die Jungvögel anderer Arten. Das war schon so als es hier noch keine Menschen gab. In einer intakten Umwelt fällt das nicht ins Gewicht, denn die kleinen Singvogelarten reproduzieren sich so stark, dass solche „Verluste“ mühelos ausgeglichen werden. Die angesprochenen Meisen bringen pro Brutsaison zwischen 8 und 12 Jungvögel zum Ausfliegen – für den Arterhalt würden 3 genügen! Ich kann den Verfasser durchaus verstehen, wenn sich beim Anblick der geschilderten Vorfälle sein menschliches Mitleidgefühl regt. Aber mit Gefühlsduselei kann man der Natur nicht beikommen. Die Natur ist so: der Stärkere frisst den Schwächeren, wusste schon der alte Brehm! Löwen kann man nicht dazu bringen Haselnüsse oder Blätter zu fressen – sie halten sich an Antilopen und Zebras.

 

Zurück zum Thema: Elstern sind nicht geschickt im Jagen von adulten Meisen – nur die noch nicht geschickten Jungvögel passen da ins Beuteschema. Jagd auf Jungvögel machen natürlich auch Hauskatzen, der Buntspecht und nicht zu vergessen das Eichhorn. Da der Verfasser fordert, Elstern müssen „stärker bejagt“ also geschossen werden, müsste eine „Bejagung“ also ausgeweitet werden. Dazu zur Rechtslage: das europäische und deutsche Naturschutzrecht lässt eine Bejagung der genannten Arten nicht zu! Die Erfahrung des NABU: eine intakte Natur hält das Gleichgewicht zwischen Beutetieren und Beutegreifern aufrecht das haben wir oft bewiesen!

 

 

PS.: aktuell wimmelt es in Münsters Kleingärten von frisch flüggen Kohl- und Blaumeisen – trotz Elstern!

 

 

Peter Hlubek

 

NABU Münster

 

1. Vorsitzender"