Natur als Kunst: das sanctuarium

Die AG Botanik erfasst jährlich den Pflanzenbestand

 

Vielleicht ist dem einen oder anderen beim Spazierengehen, Grillen oder Sonnenbaden dieses merkwürdige, einzeln stehende, runde Mauerwerk in dem kleinen Park nordwestlich von Botanischem Garten und Schlosspark aufgefallen. Es ist das sanctuarium, ein Kunstwerk aus der Ausstellung Skulptur.Projekte in Münster 1997 des niederländischen Künstlers Herman de Vries.

Die 2,65 m hohe und 14 m im Durchmesser messende Mauer an der Einsteinstraße umschließt ein kleines Stück Natur, die dort nach dem Konzept des Künstlers – selbst ein studierter Biologe – vom Menschen unbeeinflusst wachsen können soll. Der Künstler will mit seinem Beitrag inmitten einer stark vom Menschen geprägten Parkanlage darauf aufmerksam machen, wie schutzbedürftig die Natur mittlerweile ist und wie wenig Möglichkeit sie ansonsten zum ungestörten Wachstum hat. Eine Sanskrit-Inschrift am oberen Rand weist auf die Vollkommenheit der Natur hin. Die mittlerweile wild wuchernden Graffiti an der Außenseite unterstreichen den Kontrast Mensch-Natur noch.

Wie alljährlich zu dieser Zeit, traf sich die AG Botanik am Sonntagnachmittag des 09. Oktober am Kunstwerk, um gemeinsam aufzunehmen, welche Pflanzenarten in diesem städtischen Miniatur-Schutzgebiet vorkommen. Dazu konnte jeder nach Einblick durch die ovalen Öffnungen, die an allen vier Himmelsrichtungen in das Bauwerk eingelassen sind, beisteuern, welche Pflanzen er/sie im Inneren entdeckt hatte. In den 14 Jahren, die das Objekt inzwischen steht, sind insbesondere einige Bäume bereits deutlich über die Mauer hinausgewachsen.

Da die AG Botanik das Wachstum im sanctuarium von Beginn an begleitet hat, gibt es einen interessanten Überblick über die Entwicklung der Arten und ihre Zusammensetzung. Im ersten Jahr wuchs dort noch – eigentlich entgegen der ursprünglichen Konzeption – eine Wildblumenmischung, die bereits nach wenigen Jahren von mehrjährigen Stauden abgelöst wurde. Nach drei Jahren siedelten sich dann die ersten Gehölzarten an, teilweise auch fremdländische Arten aus dem angrenzenden Schlosspark.

 

Die Artenzahl stieg in den ersten Jahren an, erreichte nach sechs Jahren mit mehr als 40 Arten ein Maximum und geht seitdem stark zurück. In 2007 waren dort nur noch einige konkurrenzstarke Hochstauden wie Große Brennnessel, Gemeiner Beifuß und Brombeere im Gebüsch aus Esche, Hasel, Ahorn und Hartriegel zu entdecken.

In den letzten Jahren hat sich die Artenzahl auf niedrigem Niveau eingependelt und auch die Zusammensetzung bleibt konstant (siehe Grafik)

Gelegentlich tauchen auch wieder neue, ausbreitungsstarke Kräuter wie in diesem Jahr der Löwenzahn auf; es ist aber unsicher, ob und wie lange sich solche Arten unter dem mittlerweile doch sehr dichten Blätterdach halten können.

Die AG Botanik steht darüber hinaus in lockerem Kontakt zum Schöpfer des sanctuariums, Herman de Vries, der sich sehr für die Entwicklung seines Werkes interessiert. Man kann gespannt sein, welche Arten sich im Laufe der Zeit dort durchsetzen werden. Bis sich ein Endstadium nach der potenziellen natürlichen Vegetation entwickelt haben wird, können aber schon noch ein paar Jahrhunderte vergehen…

Zum Abschluss der diesjährigen Aktion verlagerte die AG Botanik ihre Zusammenkunft vom sanctuarium in ein nahe gelegenes Eiscafé, um dort nach erfolgreichem Einsatz und bei angenehmem Wetter die diversen italienischen Spezialitäten zu genießen.

Nähere Einzelheiten zum Künstler/Skulptur unter: http://www.lwl.org/skulptur-projekte-download/muenster/97/vries/index.htm

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