Vogelstimmenwanderung in der Haskenau 2011

Es wird leiser im Wald

öööö

Samstag, der 14. Mai 2011, kurz vor sechs Uhr abends.

 

An diesem Abend soll Lena ein zweites Mal beim Eurovision Song Contest antreten und ihren Titel verteidigen. Die Vermutung liegt nahe, dass die meisten Menschen bereits zu Hause vor ihrem TV-Bildschirm sitzen und eine der Einstimmungssendungen im Fernsehen sehen. Nicht so die wenigen Naturinteressierten, die sich auf der Fußgängerbrücke in der Haskenau bei Gelmer treffen, um den Abend auf völlig andere Weise, jedoch nicht weniger spannend, zu verbringen.

 

Etwa zwanzig Menschen, von Jung bis Alt, von neugierigen Schülern über fleißige Biologiestudenten bis hin zu interessierten Rentnern, stehen bereits verstreut auf der Brücke, als Peter Hlubek vom NABU dazukommt. Alles schart sich um ihn, den Vogelkundler, der in den folgenden zwei Stunden Führer der Gruppe sein wird.

 

Für jemanden, der noch nie in der Haskenau war, ist schon der Wald, durch den die Vogelstimmenwanderung gleich zu Beginn führt, beeindruckend. Die riesigen Buchen bilden ein dichtes Blätterdach, man fühlt sich wie in einem riesigen Konzertsaal mit Säulen aus Holz und samtweichem, duftendem Boden. Und das Konzert beginnt dann auch sofort: Vom Finkenschlag erzählt Peter Hlubek, von der Amsel, die zu den Drosseln gehört (und daher auch Schwarzdrossel genannt wird), von Sperlingsvögeln und warum sie so heißen – nämlich weil sie, im Gegensatz zu anderen Vogelordnungen, als Jungen ihren Schnabel weit aufsperren und sich so von den Eltern füttern lassen.

 

Im weiteren Verlauf lernt man die Nachtigall und ihren Gesang kennen. Auch den Kuckuck kann man in weiter Ferne hören. Es ist beeindruckend, wie viel Peter Hlubek nicht nur zu Vögeln selbst, sondern auch zu ihrer Ökologie und zur Ökologie des Waldes und der Wiese weiß. Er selbst zeigt sich jedoch erschrocken, wie wenige Vögel an diesem Abend zu hören sind. Er habe schon in den letzten Jahren die Tendenz bemerkt, dass immer weniger Vögel in der Haskenau zuhause sind, aber dieses Jahr scheint all seine Erfahrungen zu übertreffen. Er kann auch sogleich erklären, aus welchem Grund: Die Monokulturen in der Landwirtschaft, d.h. ein einseiter Anbau, machen es den Vögeln schwer, hier ihren Lebensraum zu erhalten.

 

Die Klänge der begabten Sänger noch im Ohr, verlässt man den Wald wieder – ein mulmiges Gefühl bleibt zurück, angesichts der Vorstellung, dass dieser Natur-Konzertsaal vielleicht eines Tages ganz leer sein wird. Trotzdem ist niemand der Teilnehmer der Meinung, die Vogelstimmenwanderung habe sich nicht gelohnt – und wer trotz allem noch nicht genug Gesang hatte, ist noch nicht zu spät für Lenas Auftritt.

 

Silvia Vogelsang & Alina Rölver

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