Die AG Botanik ein Wochenende zu Besuch in der Senne

Wo das Wasser bergauf fließt

Hans-Dieter Wiesemann erklärt die Waldhufen-Bewirtschaftung am Rolfschen Hof (Foto: Thomas Hövelmann)
Hans-Dieter Wiesemann erklärt die Waldhufen-Bewirtschaftung am Rolfschen Hof (Foto: Thomas Hövelmann)

Gar nicht so weit ging in diesem Jahr die traditionelle Jahresfahrt der AG Botanik: die Senne bei Augustdorf nahe Paderborn war das Ziel von 12 Botanikern unter der Leitung von Dr. Thomas Hövelmann, die sich am vergangenen Wochenende, den 4.-6. September, nach Osten aufmachten. Untergebracht in preiswerten Ferienwohnungen, standen neben dem gemütlichen Beisammensein vor allem botanische und naturkundliche Wanderungen im Vordergrund.
Los ging es am Samstag vormittag: nach einer kurzen Besichtigung des Infozentrums an der Emsquelle bei Hövelhof erkundete die Gruppe zunächst das Kastental der Emsquelle, um anschließend im benachbarten NSG "Moosheide" die farbenfrohe Vielfalt der schönen Heideflächen und lichten Kiefernwälder auf sich wirken zu lassen.

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Die blühende Besenheide war nur ein Highlight unter vielen (Foto: Thomas Hövelmann)

Neben der Besenheide setzte die seltene Glockenheide (Erica tetralix) violette Farbtupfer in die Heide. Unterstützt wurde sie dabei von der Preißelbeere (Vaccinium vitis-idaea), bei der die leuchtendroten Beeren gleichzeitig neben den weißen Blüten-Krüglein wachsen. Leider musste wegen des einsetzenden Regens diese Wanderung abgebrochen und ein spontaner Besuch in der Adlerwarte Berlebeck in Detmold eingeschoben werden. In dieser ältesten Adlerwarte Deutschlands - gleichzeitig offizielle Greifvogel-Aufnahmestation des Landes NRW - werden in Volieren zahlreiche Greifvogelarten aus aller Welt ausgestellt und in unterhaltsamen Flugshows gezeigt.
Am Samstag nachmittag übernahm dann Hans-Dieter Wiesemann die Führung. Das Urgestein des NABU-Kreisverbandes Lippe, ausgezeichnet mit der Silbernen NABU-Ehrennadel, führte zunächst durch den "NABU-Rolfschen Hof", eine Bildungseinrichtung, die Wiesemann seit fast 20 Jahren mit ehrenamtlichen Engagement aus einem heruntergewirtschafteten Bauernhof aufgebaut hat. Das 25 ha große Außengelände lässt noch die traditionelle Waldhufen-Wirtschaft dieser Region erkennen und weist ein kleinräumiges Mosaik aus Hecken, extensivem Grünland, Heide und Bruchwäldern auf. Besonders gefiel den Münsteraner Botanikern eine Buckelwiese, wo in der an sich feuchten Wiese die buckeligen Haufen der Wiesenameise mit dichten Teppichen aus Feld-Thymian (Thymus pulegoides) bewachsen waren - ein Genuss für alle Sinne.
Am Sonntag vormittag hatte sich erneut Hans-Dieter Wiesemann bereit erklärt, auch noch "sein" NSG "Furlbachtal" bei Augustdorf vorzustellen. Hier hatte sich der Furlbach bis zu 30 m tief in den Sand der Senne eingegraben. Das vollkommen naturnahe Bachbett weist neben der typischen Elemente von sandigen Fließgewässern vielfältige Waldgesellschaften wie Bach-Erlenwald, Traubenkirschen-Erlen-Eschenwald, Eichen-Buchenwald und Eichen-Birkenwal auf, dazu kommen Heidemoore und Moorbirkenwälder. Zu den selteneren Pflanzenarten, die die Münsteraner zu Gesicht bekamen, gehören Rauschbeere (Vaccinium uliginosum) und der Hain-Gilbweiderich (Lysimachia nemorum). Jörg Frenz bereicherte die Exkursionen mit seinem Wissen um heimische Pilzarten wie Schuppenstieligen Hexenröhrlich, Speitäubling und Birkenporling.
Die Senne ist nacheiszeitlich durch im Schwemmwasser abgelagerten Sand entstanden und weist eine Vielzahl geologischer Besonderheiten auf. So sind unter dem oberflächlichen Sand teilweise wasserundurchlässige Lehmlinsen verborgen, auf denen sich das Wasser staut und an einigen Stellen den Eindruck erweckt, das Wasser würde bergauf fließen. Große Teile der Senne werden seit langem im zentralen Bereich militärisch genutzt. Durch die ausgebliebene landwirtschaftliche Nutzung und die positiv wirkenden "Störungen" des Militärs hat sich eine einzigartige Naturlandschaft entwickelt, die in NRW ihresgleichen sucht. Der NABU NRW setzt sich seit langem für die Ausweisung eines Nationalparks zusammen mit dem angrenzenden Eggegebirge ein, um den Erhalt nach Abzug des Militärs nach 2020 zu gewährleisten. Leider konnte der militärische Bereich trotz aller Versuche nicht besichtigt werden, da am Sonntag auf dem Platz geschossen wurde.
Am Sonntag mittag hieß es dann Abschied nehmen von Hans-Dieter Wiesemann, der mit seiner Fachkenntnis über Landschaft und Geologie, aber vor allem auch durch sein Engagement tiefen Eindruck hinterlassen hatte. Thomas Hövelmann überreichte ihm zum Dank neben einer großzügigen Spende für den Rolfschen Hof eine große Papiertüte mit verschiedenen Produkten des Streuobstwiesenprojektes des NABU Münster.
Müde, aber auch voller neuer Eindrücke und Kenntnisse, nahmen die Münsteraner den kurzen Rückweg in Angriff - warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah.

Verdientes Dankeschön für Hans-Dieter Wiesemann (links) durch Dr. Thomas Hövelmann vom NABU Münster (Foto: Kristina Behlert)
Verdientes Dankeschön für Hans-Dieter Wiesemann (links) durch Dr. Thomas Hövelmann vom NABU Münster (Foto: Kristina Behlert)

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