Jährliche Bestandserfassung der AG Botanik im Kunstwerk "sanctuarium"

Jetzt auch mit Kirschlorbeer

Mitglieder der AG Botanik bei der Bestandserfassung im "sanctuarium"
Mitglieder der AG Botanik bei der Bestandserfassung im "sanctuarium"

"Oh, eine neue Art!" Überrascht begrüßten die Botaniker des NABU Münster zwei Jungpflanzen des Kirschlorbeer, die sich seit der letzten Bestandserfassung im vergangenen Jahr neu angesiedelt hatte und nun versuchen werden, zwischen dem dichten Brombeer-Teppich und den zahlreichen anderen Gehölzen Fuß zu fassen. Am vergangenen Sonntag, den 23. Oktober 2016, trafen sich ein halbes Dutzend Mitglieder der AG Botanik, um wie in jedem Jahr die Arten im Kunstwerk "sanctuarium" an der Einsteinstraße nahe des Coesfelder Kreuzes zu erfassen. In den letzten Jahren hatte sich dabei in dem mittlerweile dichten Gebüsch aus verschiedenen heimischen und nicht heimischen Gehölzen innerhalb der Steinmauer nichts mehr verändert, so dass der wohl aus einem nahen Park eingeschleppte Kirschlorbeer nicht unbedingt zu erwarten war.

Durch die ovalen Öffnungen können die Arten bestimmt und notiert werden
Durch die ovalen Öffnungen können die Arten bestimmt und notiert werden

Ein sanctuarium, einen Schutzraum, für die Natur vor dem Menschen schuf der niederländische Künster Herman de Vries als Beitrag zur Ausstellung Skulptur.Projekte in Münster 1997. Die 2,65 m hohe und 14 m im Durchmesser messende Mauer an der Einsteinstraße umschließt ein kleines Stück Natur, die dort nach dem Konzept des Künstlers – selbst ein studierter Biologe – vom Menschen unbeeinflusst wachsen können soll. Der Künstler will mit seinem Beitrag inmitten einer stark vom Menschen geprägten Parkanlage darauf aufmerksam machen, wie schutzbedürftig die Natur mittlerweile ist und wie wenig Möglichkeit sie ansonsten zum ungestörten Wachstum hat. Eine Sanskrit-Inschrift am oberen Rand weist auf die Vollkommenheit der Natur hin. Die mittlerweile wild wuchernden Graffiti an der Außenseite unterstreichen den Kontrast Mensch-Natur noch.

Seit dem Bau des Kunstwerks 1997 verfolgt die AG Botanik den Fortschritt der Natur und dokumentiert jeweils Mitte Oktober, welche Pflanzenarten in diesem städtischen Miniatur-Schutzgebiet vorkommen. Das ermöglichen die ovalen Öffnungen, die an allen vier Himmelsrichtungen in das Bauwerk eingelassen sind. In den 19 Jahren, die das Objekt inzwischen steht, sind einige Bäume bereits deutlich über die Mauer hinausgewachsen, und auch Efeu und Brombeere zeigen deutliche Ausbruch-Tendenzen.

Da die AG Botanik das Wachstum im sanctuarium von Beginn an begleitet hat, wird im kommenden zwanzigsten Jahr anlässlich der weltweit bedeutsamen Kunstausstellung "Skulpturen.Projekte 2017" versucht werden, Kontakt mit dem Künstler aufzunehmen und vielleicht sogar einen Ortstermin hinzubekommen - vielleicht dann ja wieder mit einer neuen Art...

Der Efeu versucht bereits, über die mit einer Sanskrit-Inschrift verzierte Mauerkrone zu fliehen
Der Efeu versucht bereits, über die mit einer Sanskrit-Inschrift verzierte Mauerkrone zu fliehen

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