Naturbeobachtungen im Winter

Der NABU ruft zur Meldung von Misteln auf

Die Misteln auf den Pappeln an der Kreisgrenze HAM/WAF stellen (noch) die nördliche Verbreitungsgrenze im Münsterland dar (Foto: Thomas Hövelmann)
Die Misteln auf den Pappeln an der Kreisgrenze HAM/WAF stellen (noch) die nördliche Verbreitungsgrenze im Münsterland dar (Foto: Thomas Hövelmann)

 

Der NABU ruft zum „Wintermonitoring“ von Misteln auf. Die Pflanzen leben als Halbschmarotzer und entziehen dem Wirt mit ihren Saugwurzeln Wasser und Nährstoffe. Vor allem für Obstbäume, die nur selten gepflegt werden, kann das zum Problem werden, siehe hier. Um herauszufinden, ob sich die Misteln ausbreiten und ob es regionale Unterschiede gibt, haben der NABU und naturgucker.de ein Monitoring gestartet. Bis einschließlich Februar sollen Misteln gezählt und online gemeldet werden. Mitmachen kann jeder, das Monitoring soll nun jedes Jahr jeweils ab November durchführt werden.

Die heimische Laubholz-Mistel schmarotzt auf Weiden und Pappeln genauso wie auf Apfelbäumen, Linden, Robinien oder Ahorn. Buchen dagegen werden ebenso gemieden wie Eichen. Die Art ist über ganz Süd- und Mitteleuropa, Nordafrika und Asien bis zum Himalaya verbreitet. Auch in Deutschland kommt die Mistel fast flächendeckend vor. Nur in Teilen Bayerns südlich der Donau und in der norddeutschen Tiefebene fehlt sie über größere Strecken.

Im Münsterland ist die Mistel nördlich von Hamm bis jetzt praktisch noch nicht vorhanden. Die scharfe Grenze zwischen den häufigen Vorkommen an der Lippe und dem Münsterland ist Dr. Thomas Hövelmann von der AG Botanik des NABU Münster ein Rätsel: "Warum noch an der Grenze der Stadt Hamm und dem Kreis Warendorf die Pappeln voller Misteln hängen und fünf Kilometer weiter nördlich seit Jahrzehnten gar keine Exemplare vorkommen, ist aus biologischer und klimatischer Sicht absolut unverständlich." Auch in der derzeit laufenden Florenkartierung NRW ist kein Vorkommen aus dem zentralen Münsterland gemeldet worden. Das bis jetzt einzige bekannte Vorkommen in Münster ist kultiviert: im historischen Arzneipflanzengarten an der Hittorfstraße wurden einige Exemplare der uralten Heilpflanze gegen Epilepsie und Schwindelanfälle auf Apfelbäumen gezüchtet.

Menschgemachte Faktoren wie Klimawandel und Luftverschmutzung können aber schnell dafür sorgen, dass sich das ändert. "Gerade deshalb ist es besonders interessant, einen Überblick über aktuelle Vorkommen zu wissen", bittet Hövelmann um Mithilfe. Gerade jetzt in der unbelaubten Zeit sind die kugeligen, grünen Misteln in den Bäumen leicht zu erkennen und können bei flüchtiger Betrachtung höchstens mit größeren Vogelnestern verwechselt werden. Meldungen mit möglichst genauer Angabe des Wuchsortes und der ungefähren Zahl der Misteln bitte an Thomas Hövelmann, hoevelmann_thomas@yahoo.de. Auch die Angabe des Wirtsbaumes - z.B. Pappel oder Obstbaum - wäre hilfreich. Meldungen sind auch möglich unter https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/naturgucker/23814.html. und unter www.florenkartierung-nrw.de.

Die weißen, klebrigen Beeren - der wissenschaftliche Name Viscum album steht für viscum = klebrig und album = weiß - sind eine wichtige Winternahrung für unsere heimischen Vögel. Vor allem Misteldrosseln und Seidenschwänze naschen gern von den Beeren. Wetzen sie ihren Schnabel an einem Zweig oder Ast oder hinterlassen dort ihren Kot, kleben die Mistelsamen an der Rinde des künftigen Wirtsbaumes fest. Treibt dann der Samen aus, bildet sich zunächst eine Haftscheibe, um der Jungpflanze Halt zu garantieren. Der Spross ändert dann seine Wuchsrichtung und bohrt sich in die Rinde des Wirtsbaumes ein, um dessen Leitungsbahnen zu erreichen. Die Mistel zapft als Halbschmarotzer so Wasser und Mineralstoffe ab, die der Baum aus der Erde zieht.

Ihren Wirtsbäumen fügt die Mistel durch den Wasser- und Mineralienentzug in der Regel keinen dauerhaften Schaden zu. Allerdings kann besonders dichter Mistelbefall zu verminderter Wuchsleistung des Baumes führen. In Streuobstwiesen, die nur noch sporadisch genutzt und gepflegt werden, vermehren sich die Misteln auf Apfelbäumen manchmal geradezu explosionsartig, wodurch nicht nur der Fruchtansatz leidet, sondern auch die Bäume als Ganzes ernsthaft in Mitleidenschaft gezogen werden können.

Der NABU sagt: Dankeschön für die Mithilfe! Ein ausführliches interessantes Artporträt der Mistel finden Sie hier: https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/pflanzen/pflanzenportraets/wildpflanzen/05945.html

 

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