Seltene Ackerwildkräuter in Münster

Blühende Felder rot vom Klatschmohn oder mit den blauen Blüten der Kornblume sind selten geworden. Nur vereinzelt können wir noch Äcker mit den typischen Ackerwildkrautfluren beobachten.

Die Behandlung der Flächen mit Dünge-, und Pflanzenschutzmitteln, die extrem dichte Aussaat und die Saatgutreinigung hat in den vergangenen 60 bis 100 Jahren zu einer massiven Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität geführt. Leider sind damit früher häufige Arten wie der Acker-Ziest, Lämmersalat oder Kornrade an den Rand des Aussterbens gedrängt worden.Die Ackerwildkräuter der heimischen Felder sind größtenteils Kulturfolger des Menschen. Seit der jüngeren Steinzeit wurden ihre Samen aus den trockeneren Regionen Zentralasiens und dem Mittelmeerraum verschleppt.

Einer der 100 wertvollsten Äcker Deutschlands

 

Während der mehrere tausend Jahre währenden Ackerbaukultur in Europa haben sich entsprechend der Nutzung und des Bodens artenreiche Ackerwildkrautfluren entwickelt. Im Münsterland herrschten auf den nährstoffarmen Roggenäckern Kornblumen-, und Lämmersalatgesellschaften vor. Mit der Einführung der industriellen Landwirtschaft sind die Ackerwildkrautgesellschaften in nur 100 Jahren nahezu vollständig verschwunden.

 

Um dieses einzigartige Kulturerbe wenigstens vor dem Aussterben zu bewahren, hat das Land Nordrhein-Westfalen in den 1980er Jahren ein Ackerrandstreifenprogramm entwickelt. So wurden Landwirte unterstützt, die Restbestände der Ackerwildkrautflora schützten. Mit dem bundesweiten Programm “100 Äcker für die Vielfalt“ wird aktuell versucht auf mindestens 100 Äckern deutschlandweit die naturraumtypischen Wildkrautgesellschaften zu erhalten.

Die Stadt Münster hat zu diesem Programm eine Ackerfläche beigesteuert. Sie liegt im Süden von Münster zwischen Hiltrup und Loevelingloh. Der Besitzer, Nebenerwerbs-Landwirt Klönne, bewirtschaftet den Acker unter Verzicht auf chemisch-synthetische Dünge und Pflanzenschutzmittel mit Hafer als Sommergetreide. Am Sonntag den 22. Juni nahm die NABU-Botanik AG in Begleitung von Herrn Klönne eine Bestandsaufnahme der Fläche vor. Zwischen den in breiten Abstand stehenden Haferpflanzen stand der Hederich (Raphanus raphinastrum) in voller Blüte.

28 Ackerwildkrautarten nachgewiesen

 

Typische Arten nährstoffarmer Sandäcker, wie der kleine Sauerampfer (Rumex acetosella) und Reiherschnabel (Erodium cicutarium) waren weit verbreitet. Sogar der seltene Acker-Ziest (Stachys arvensis) hat sich auf großen Teilen der Fläche ausgebreitet. Insgesamt konnte die NABU-Botanik-AG 28 Arten nachweisen. Im Vergleich zu einer im Rahmen des Ackerrandstreifenprogrammes vor 20 Jahren erstellten Artenliste fehlten aber inzwischen u.a. der Acker-Schöterich, Acker-Fuchsschwanz und Knäuel-Hornkraut.

 

Die letzten Refugien der ehemals reichen Ackerwildkrautflora im Münsterland können von der Landwirtschaft nicht gewinnbringend bewirtschaftet werden. Sie benötigen daher die Förderung und finanzielle Unterstützung. So können die Artenvielfalt und auch das Naturerlebnis für die Allgemeinheit erhalten bleiben.

Mehr tun für den Erhalt der botanischen Biodiversität?

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