Die AG Botanik zu Besuch im Gartenbauzentrum Wolbeck zum Thema Gehölzschnitt

Was lernen Gehölze in der Baumschule?

Interessiert verfolgten die Teilnehmer der Gehölz-Exkursion die Führung über das Gelände des Gartenbauzentrums in Wolbeck (Foto: Claudia Frank)
Interessiert verfolgten die Teilnehmer der Gehölz-Exkursion die Führung über das Gelände des Gartenbauzentrums in Wolbeck (Foto: Claudia Frank)

Was lernen Gehölze eigentlich in der Baumschule? Dieser grundlegenden Frage gingen ein gutes Dutzend Teilnehmer der AG Botanik am Freitag, den 1. Februar 2019, nach. Unter der Leitung von Karin Wilp vom Bildungszentrum Gartenbau und Landwirtschaft der Landwirtschaftskammer in Wolbeck stand die Frage im Mittelpunkt, wie der Überlebenskünstler Baum und andere Gehölze auf Schnittmaßnahmen wie Rückschnitt, "Auf den Stock setzen" reagieren und warum solche Maßnahmen überhaupt vorgenommen werden.

Bäume wachsen von alleine und sind nicht auf menschliche Hilfe angewiesen. Allerdings bestehen an einen Baum in der Stadt oder im Garten andere Anforderungen als an einen Waldbaum. So dürfen an einer Straße keine tiefhängenden Äste die Verkehrssicherheit gefährden, daher sind dort Hochstämme oder Alleebäume gefragt. Einen Kronenansatz in 4,50 m Höhe bildet der Baum jedoch nicht von sich aus, da muss der Baumschüler mit Schere, Säge und Bambusstab - auch gerade stehen will gelernt sein - nachhelfen.

Bei einem Rundgang über das Gelände des Gartenbauzentrum stellte Karin Wilp verschiedene Wuchsformen von Gehölzen vor, erläuterte die Wundheilung an Gehölzen unter dem Motto "Brauchen Bäume ein Pflaster? Nein, sie bilden Kallus!" und ging auf die Lebensphasen der Gehölze vom Jüngling zum Greis ein, der mit seinen absterbenden Ästen und morschen Astlöchern ökologisch besonders wertvoll ist. Dabei war ihr insbesondere das Gleichgewicht von oberirdischen und unterirdischen Bestandteilen wichtig, das bei Schnittmaßnahmen schnell gestört werden kann. Eine typische Reaktion der Bäume, die Bildung von Wasserreisern, hat jeder schon gesehen. Angesichts der verschneiten Umgebung im Moment noch undenkbar, warnte die Gartenbautechnikerin bei ihren Erklärungen zum Wachstum der Gehölze im Wandel der Jahreszeiten bereits jetzt vor den Gefahren des Frühjahrs: Achtung, die Bäume schlagen aus!
Zuletzt wies Karin Wilp auf die schwierigen Lebensbedingungen von urbanem Grün und Straßenbäumen hin: "Eigentlich meinen die Bäume es gut mit mit uns Menschen, spenden Schatten, produzieren Sauerstoff, filtern die Luft und sehen schön aus. Aber sie haben es schwer in unseren Städten, leiden unter Platzmangel, Trockenstress, Anfahrschäden, Müll, Streusalz und müssen sich den Boden mit Straße, Gehweg und Kanalisation teilen, hinzu kommt der Klimawandel. Häufig wird ihnen nur ein winziges Beet, Baumscheibe genannt, zugestanden, Wasser- und Nährstoffmangel sind die Folge. Vielleicht sollten die Bäume tatsächlich mal zurückschlagen."

Beim abschließenden Kaffeetrinken in einem Wolbecker Café hatten die Teilnehmer Gelegenheit, sich aufzuwärmen und das gelernte Wissen zu verarbeiten. In Zukunft werden sie sicher die Gehölze in ihrem Umfeld mit anderen Augen sehen...

 

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