Schöner aus Wiedenbrück

Apfel des Jahres 2015 im Münsterland

Foto: Hans-Joachim Bannier
Foto: Hans-Joachim Bannier

Der Schöne aus Wiedenbrück wurde bereits 1913 auf der Provinzial Ausstellung für Westfalen und Lippe als beste Lokalsorte von 36 Sorten mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Wahrscheinlich stammt diese Sorte von einem Gärtner des Rheda ´er Schlosses. Aus Liebhaberei soll er sich mit der Aussaat von Obstkernen beschäftigt haben. Den Wert seines Sämlings „Schöner von Wiedenbrück“ erkannte er jedoch nicht.


Diese Apfelneuheit bekam erst mehr Beachtung, als der Gärtnermeister Heinrich Dürbusch (1874-1946), Mitglied im Obst- und Gartenbauverein, in Wiedenbrück an der Rhedaer Straße einen Baum dieser Sorte entdeckte. Dieser „Mutterbaum“ wurde wahrscheinlich um 1880 gepflanzt. Der gute Geschmack und vor allem der hohe Ertrag, der zur damaligen Zeit sehr wichtig war, überzeugten ihn. Er veredelte diese Sorte und sorgte für seine Verbreitung. Bereits 1904 bepflanzte er für sich selbst 8 Morgen und ließ auf weiteren Flächen Hochstämme anbauen.1905 wurde der Schöne aus Wiedenbrück in den Handel gebracht und gewann schnell an großer Beliebtheit. Schon bald wurden Bäume dieser Sorte in Hausgärten, in Obstwiesen der Bauernhöfe und in großer Zahl an Straßen- und Wegrändern gepflanzt. Im Herbst ersteigerten Bürger die Früchte baumweise zum niedrigen Preis. In den 1930er Jahren wurde der Schöne aus Wiedenbrück im „Verzeichnis der für den Erwerbsobstbau in der Landesbauernschaft Westfalen empfohlenen Obstsorten“ aufgeführt.

 

Die großen, eher hoch gebauten Früchte sind gelblich-grün und sonnenseits leicht verwaschen streifig orange-rötlich. Mitte bis Ende September kann der Apfel direkt vom Baum gegessen werden. Die Früchte hängen windfest. Im Naturlager sind sie nur wenige Wochen lagerfähig und werden dann schnell mehlig. Das Fruchtfleisch ist lockerzellig und süßsäuerlich aromatisch. Das auffallend kleine Kernhaus enthält meist nur 1 – 2 Kerne. Der Apfel schmeckt frisch aromatisch, eignet sich sehr gut für Apfelmus, als Kuchenbelag und für Saft.

 

Der Baum ist stärkwüchsig und bildet eine große, weit ausladende Krone. Der Schöne aus Wiedenbrück ist auch für Höhenlagen geeignet. Auf schweren, staunassen Böden kann etwas Obstbaumkrebs auftreten. Blätter und Früchte sind selten von Schorf befallen. Der Ertrag setzt bereits im 6. Jahr ein, ist dann regelmäßig und hoch. Die Blüte beginnt spät und ist dadurch wenig frostgefährdet.

 

Heute sind noch häufiger Altbäume diese Sorte auf Streuobstwiesen in den Kreisen Warendorf und Gütersloh zu finden. Im gesamten Münsterland ist der Schöne aus Wiedenbrück jedoch eher eine Rarität. Um diese über 130 Jahre alte Apfelsorte wieder bekannt zu machen, wurde der Schöne aus Wiedenbrück zum „Apfel des Jahres 2015 im Münsterland“ – ein gesunder, robuster und ertragreicher Baum für die Streuobstwiese.


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