Ergebnisse der „Stunde der Wintervögel“ in Münster

Nur die Harten kommen in den Garten…

Bild: Purimprach Wendel
Bild: Purimprach Wendel

 

Wenige anpassungsfähige Arten bleiben konstant, viele Arten nehmen in ihrer Zahl ab – das ist das Fazit der diesjährigen „Stunde der Wintervögel“ in Münster. Vom 5. bis 7. Januar hatten Naturfreunde die Gelegenheit, für eine Stunde die Vögel im heimischen Garten mit Art und Anzahl zu protokollieren und bis zum 15. Januar in eine Online-Datenbank einzutragen. Die bundesweite Aktion des NABU dient zur Erfassung unserer heimischen Wintervögel und zugezogener Gäste. Bundesweit haben dabei 83.922 Gärten mitgemacht, davon 325 in Münster und 283 im Kreis Warendorf.

In Münster wurden insgesamt 11.684 Vögel gezählt. Die am häufigsten vorkommenden Arten waren Kohlmeise, Haussperling oder Spatz, Blaumeise und Dohle. Auch  Amsel, Blaumeise und Rotkehlchen wurden in nahezu jedem Garten gesehen.

Weit verbreitete Arten wie Kohl- und Blaumeise oder Buchfink sind dabei in der Zahl der Beobachtungen gegenüber den Vorjahren relativ konstant geblieben. Bei ohnehin weniger häufigen Arten lässt sich jedoch ein Trend erkennen: Sah man 2014 noch durchschnittlich 1,88 Grünfinken pro Garten, sind es in diesem Jahr nur noch 0,61 Exemplare dieser Art. Ebenfalls sank die Zahl der Haubenmeisen von 2011 mit 0,21 Exemplaren pro Garten auf nur noch 0,07 in diesem Jahr.

Die Daten einiger heimischer Taubenarten schließen sich dem allgemeinen Trend sinkender Zahlen nicht an: Die Vorkommen von Ringel-, Straßen- und Türkentauben bleiben relativ konstant. Dies liegt wohl daran, dass sich die anpassungsfähigen Tiere in der Stadt neue Nahrungsquellen erschließen können. Recht konstant konnten sich auch die Specht-Arten halten: 108 Buntspechte und 25 Grünspechte wurden in Münsters Gärten gesichtet.

Auffällig war in diesem Jahr die hohe Anzahl an beobachteten Kranichen und Graugänsen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass sie wetterbedingt ungewöhnlich spät gen Süden geflogen sind und zufälligerweise genau am Wochenende der Zählung vorbeikamen. Ähnliches gilt auch für die ungewöhnlich hohe Zahl von Birkenzeisigen: Diese wurden bei den vorjährlichen Zählungen nahezu gar nicht entdeckt und in diesem Jahr mit insgesamt 107 Exemplaren notiert. Auch hier führte die zufällige Invasion dieses gelegentlichen Wintergastes zu den irritierenden Ergebnissen. Interessant ist jedoch, dass sie im benachbarten Kreis Warendorf gar nicht vorkamen.

Aus den Daten der diesjährigen „Stunde der Wintervögel“ ergibt sich insgesamt für Münster, dass die Zahl der Vögel zurückgeht - vor allem solcher, die auf Insekten als Nahrungsquelle angewiesen sind. Einige anpassungsfähige Vogelarten schaffen es jedoch, die Stadt als Lebensraum zu erobern und ihre Bestände hier zu halten.

Was bedeutet das nun für die Vogelwelt in Münster? Wenn wir noch lange etwas von den Vögeln in unseren Gärten haben wollen, sollten wir die Gärten naturnah gestalten mit ausreichend Strukturen und Nahrungsangebot für Insekten. Wenn die Entwicklung zu einer immer stärker ausgeräumten Agrarlandschaft und naturfernen Gärten nicht gestoppt wird, werden wir in naher Zukunft wohl kein Vogelgezwitscher mehr im Garten hören können.

Der NABU bedankt sich bei allen Teilnehmern, die sich eine Stunde Zeit genommen hatten und die Ergebnisse gemeldet hatten. Die Ergebnisse der „Stunde der Wintervögel“ machen Probleme sichtbar und führen vor Augen, dass dringender Handlungsbedarf besteht für Mensch und Natur – auch in Münster.

Die vollständigen Ergebnisse in Münster können Sie hier anschauen.

Kohlmeise im Vergleich zum Vorjahr wieder stabil: die bei der "Stunde der Wintervögel" in Münster gezählten Exemplare pro Garten
Kohlmeise im Vergleich zum Vorjahr wieder stabil: die bei der "Stunde der Wintervögel" in Münster gezählten Exemplare pro Garten

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